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Sehr geehrter Klient,

Sehr geehrte Klientin,

wie viele von Ihnen mit Sicherheit schon aus den Zeitungen, Radio oder Fernsehen gehört haben, hat der österreichische Nationalrat eine sogenannte Steuerreform beschlossen.

Einer der Punkte zur „Gegenfinanzierung“ („Einnahmenseitiges Sparen“) betrifft die Registrierkassen. Diese sollen sicherstellen, dass genug Steuereinnahmen fließen, um die „Steuerreform“ zu finanzieren. Das impliziert, liebe Klienten und Klientinnen, dass Sie noch nicht genug zahlen und das Sie bisher wahrscheinlich Steuern hinterzogen haben, da ansonsten keine Änderungen notwendig wären.

Ein Auszug aus einem Schreiben der WKO Österreich beschreibt richtig, dass in Ländern in denen bereits eine Registrierkasse vorgeschrieben wird die „Steuerlücke“ (Umsatzsteuerbetrugslücke) wesentlich höher als bei uns – ohne Registrierkassenpflicht – ist (Bsp. Italien 33%, Ungarn 25% – im Vergleich Deutschland, Niederlande und Österreich zwischen 5 und 12%).

Um Ihnen bei der Umsetzung der notwendigen Änderungen zu helfen, stehen wir bereits mit unzähligen Software- und Kassenherstellern in engem Kontakt und hoffen Ihnen bald Vorschläge für die notwendigen Änderungen machen zu können. Für alle Klienten und Klientinnen die bereits eine (elektronische) Registrierkasse verwenden haben wir unter Punkt 1 eine mögliche Vorgehensweise beschrieben.

Weiters übersenden wir Ihnen hiermit einen Leitfaden, damit Sie wissen wie der Stand der Dinge (etwaige Änderungen können leider nicht vorausgehen werden) im Moment ist.

 

1) Für alle Klienten und Klientinnen, die bereits eine Registrierkasse haben ist folgende Vorgehensweise anzuraten:

 

Setzen Sie sich mit dem Kassenhersteller in Verbindung und erfragen Sie, ob die notwendigen Änderungen für 2016 und 2017 von diesem Hersteller bereits in Umsetzung begriffen sind und auch die wahrscheinliche Notwendigkeit einer technischen Sicherheitsvorrichtung ab 2017 gewährleistet werden kann (diese wird erst mit einer Registrierkassenverordnung – RKSV – näher geregelt).

Wir verweisen auf eine Vorlage Garantie Registrierkassenhersteller (bei uns per E-Mail anforderbar).

Stellen Sie sich selbst die Frage, ob Ihr Kassenhersteller die notwendigen Erfordernisse überhaupt erfüllen kann. (in Bezug auf Änderungen 2016 und 2017 – siehe notwendige Änderungen – unten)

2) Was bedeutet für Sie die Registrierkassenpflicht

 

Unter Registrierkassenpflicht versteht das Finanzministerium, dass alle Bareinnahmen (darunter fallen Bar-, Bankomat- und Kreditkartenumsätze und Gutscheine, Bons, Geschenkmünzen und dergleichen) zum Zwecke der (Tages-) Losungsermittlung mit einer elektronischen Registrierkasse, einem Kassensystem oder sonstigem elektronischem Aufzeichnungssystem (darunter fallen auch Softwarelösungen, die auf einem normalen Computer, Laptop oder Tablet laufen) aufgezeichnet werden.

Diese Verpflichtung besteht generell bei Überschreiten bestimmter unter Punkt 3 ausgeführter Grenzen ab 1. Jänner 2016.

Ab 1. Jänner 2017 muss die Registrierkasse weiters mit einer technischen Sicherheitsvorrichtung versehen werden. (Näheres ist gesetzlich noch nicht geregelt und  muss daher abgewartet werden).

3) Grenzen für die Registrierkassenpflicht (§131b Abs 1 Z 2 Bundesabgabenordnung):

 

-        Ab einem Jahresumsatz von 15.000,– je Betrieb, wenn

-        Barumsätze von EUR 7.500,00 je Betrieb und Jahr überschritten werden.

Somit fallen unter diese Registrierkassenpflicht bei überschreiten der Grenzen auch Ärzte, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Notare, Land- und Forstwirte, Apotheken, Handelsbetriebe, Gastronomiebetriebe, Handwerksbetriebe (und viele mehr).

 

4) Sie eröffnen in 2015. Ab wann brauchen Sie eine Registrierkasse?

 

Beispiel 1:

Eröffnung Betrieb Juli 2015 – monatlicher Voranmeldungszeitraum:

Überschreiten der Umsatzgrenzen im September 2015 (oder früher). Registrierkassenpflicht ab 1. Jänner 2016 (mit Beginn des viertfolgenden Monats nach Ablauf des Voranmeldungszeitraumes)

Beispiel 2:

Eröffnung Betrieb Juli 2015 – vierteljährlicher Voranmeldungszeitraum:

Überschreiten der Umsatzgrenzen im November 2015. Registrierkassenpflicht ab 1. April 2016 (mit Beginn des viertfolgenden Monats nach Ablauf des Voranmeldungszeitraumes)

5) Was passiert Ihnen, wenn Sie keine Registrierkasse verwenden wollen?

 

Wenn Sie ab 1. Jänner 2016 keine Registrierkasse nutzen oder Ihre Registrierkasse ab 1. Jänner 2017 die notwendigen technischen Sicherheitseinrichtungen nicht erfüllt, ist dies als Finanzordnungswidrigkeit strafbar. (§ 51 Abs 1 lit. c FinStrG; Strafrahmen bis EUR 5.000,–)

Zusätzlich kann Ihnen, da die Vermutung der richtig geführten Bücher und Aufzeichnungen angezweifelt werden wird, eine Schätzung der Besteuerungsgrundlagen durch die Abgabenbehörde drohen.

6) Wer kontrolliert ob die verwendete Kasse den aktuellen Rechtsstandards entspricht?

 

Die Abgabenbehörde kann und wird Ihnen Prüfer schicken, die die verwendete Kasse prüft. Sind die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllt, drohen Ihnen die Konsequenzen siehe Punkt 5.

7) Fallen Sie unter eine der Ausnahmen?

 

1) Umsätze im Freien („kalte Hände“- Regelung; bis zu einem Jahresumsatz iHv EUR 30.000,00) z.B. Maronibrater, Christbaumverkäufer

2) Bestimmte Umsätze von wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben von abgabenrechtlich begünstigten Körperschaften (z.B. kleine Feuerwehrfeste)

3) Waren- und Dienstleistungsautomaten mit einem maximalen Einzelumsatz von EUR 20,00. Z.B. Zigarettenautomaten, Tischfußballtisch, Flipper

4) Fahrausweisautomaten

5) Onlineshops (wenn keine Gegenleistung durch Barumsätze erfolgt!)

 

8) Sie sind immer direkt vor Ort bei Ihren Kunden? Müssen Sie in diesem Fall eine Registrierkasse mitnehmen?

 

In der Barumsatzverordnung (BarUV 2015) ist folgende Erleichterung für Sie, bei der zeitlichen Erfassung der Barumsätze festgelegt worden, wenn Sie ihre Leistungen außerhalb Ihrer Betriebsstätte erbringen (z.B. Masseur, Reiseleiter, Fremdenführer, mobiler Friseur, mobiler Hufschmied):

Sie müssen keine Registrierkasse mitführen (das heißt Sie müssen ein System zumindest Zuhause oder in Ihrer Betriebsstätte haben), sondern können bei Leistungserbringung einen Beleg (z.B. Belegblock) ausstellen und die Belegdurchschrift bei Rückkehr ohne unnötigen Aufschub nachträglich erfassen. Das heißt, dass Sie möglichst direkt zu Ihrer Betriebsstätte zurückkehren und nicht die nachträgliche Erfassung erst nach einem verlängerten Wochenende gemacht wird.

9) Kann die Anschaffung steuerlich abgesetzt werden?

 

Ja, selbstverständlich kann die Anschaffung steuerlich abgesetzt werden. Zusätzlich kann (frühestens mit der Steuererklärungserstellung 2015 -> in 2016) eine Prämie iHv EUR 200,00 beantragt werden. Diese wird auf Ihr Finanzamtskonto gutgeschrieben.

10) Was bedeutet die Belegerteilungspflicht für mich und meine Kunden?

 

Für Sie als UnternehmerIn bedeutet die Belegerteilungspflicht, dass über jede Barzahlung ein Beleg ausgestellt werden muss. Dieser Beleg hat folgende Merkmale zu erfüllen:

-        Eindeutige Bezeichnung des liefernden oder leistenden Unternehmers (Ihre Firmendaten)

-        Fortlaufende Nummer, die zur Identifizierung des Geschäftsvorfalles einmalig vergeben wird

-        Tag der Belegausstellung

-        Die Menge und die handelsübliche Bezeichnung der gelieferten Gegenstände oder die Art und den Umfang der sonstigen Leistung

-        Den Betrag der Barzahlung

Die geforderten Angaben können auch mittels z.B. QR-Code angegeben werden.

Die Nichtausfolgung eines Beleges gilt als Finanzordnungswidrigkeit und hat einen Strafrahmen von bis zu EUR 5.000,–

Die Nichtentgegennahme bzw. Nichtmitnahme des Belegs durch den Kunden hat für Sie (derzeit) keine finanzstrafrechtlichen Konsequenzen, allerdings hat auch Ihr Kunde eine Mitwirkungspflicht.

 

Bei weitergehenden Informationen,  steht Ihnen das Team der PZ gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr PZ TEAM

 

© PZ Steuer- & Unternehmensberatungs GmbH, Hinweis: Trotz sorgfältiger Erstellung vorliegender Klienteninformation, sind alle Informationen ohne Gewähr. Stand 07/2015

 

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